Eine Mühle im Wandel der Zeit ...

Die Geschichte steht niemals still. Das Gleiche gilt für das Mühlrad der Dickendorfer Mühle.
480 Jahre sind seit der ersten urkundlichen Erwähnung der Mühle vergangen. 240 Jahre seitdem Vorfahren der heutigen Familie Zöller die Mühle übernommen haben.


Einst eine Bannmühle im Besitz der Landesherrschaft, heute ein Ort der Geschichte und Begegnung. Ein Wandel der größer kaum sein könnte.
Die folgende historische Übersicht soll Ihnen Einblicke gewähren - in das Leben eines Müllermeisters, aber auch in den Lauf der Zeit.

1529

Die Dickendorfer Mühle wird erstmals urkundlich erwähnt. Sie gehört zum Besitz der Landesfürsten Sayn-Altenkirchen. Durch den Mühlenbann sind die Bewohner der umliegenden Orte verpflichtet, ihr Korn in der Dickendorfer Mühle mahlen zu lassen. Der Müller erhält drei Gulden Monatslohn.


1532

Der Landesfürst verlehnt die Mühle zu einem festgelegten Pachtpreis. Der Müller bezahlt die Pacht in Naturalien. Er entrichtet Korn und Getreidemischung an einen Einnehmer in Freusburg.

16 - 17 Jht.

Zu dieser Zeit trägt die Dickendorfer Mühle ihren heutigen Namen noch nicht. Stattdessen ist sie als Mühle zu Elbenn, Elber Mühle oder Mühle an der Elbe bekannt. Die Namen entstehen in Anlehnung an den Bach, der die Mühle antreibt: der Elbbach.

1621

Die Pachtabgaben verändern sich. Der Müller zahlt nun zusätzlich mit Geld und Vieh.

1722

Die Mühle trägt erstmals den Namen "Dickendorfer Mühle". Zehn Jahre später wird er zu "Mühle bei Dickendorf an der Elwe gelegen" erweitert.

1772

Am 1. Januar übernimmt Johann Wilhelm Hassel den Pachtvertrag. Die Mühle befindet sich nun im Besitz der heutigen Familie Zöller.


1816

Entgegen der Bestimmungen, kümmern sich die Pächter nicht um den baulichen Zustand der Mühle. Der Umsatz verschlechtert sich zunehmend und das Gebäude droht einzustürzen. Der Sohn Johann Wilhelm Hassels reicht deshalb schon zwei Jahre vor Ablauf des Pachtvertrages die Kündigung ein. Die preußische Regierung will den Pachtvertrag jedoch nicht aufheben und reißt das Gebäude ab. Für den Müller und seine Gerätschaften lässt sie ein provisorisches Dach errichten. So kann er bei gutem Wetter weiterhin Korn mahlen.

1817

Der Pachtvertrag läuft ab. Die Regierung möchte die Mühle schließen und versucht die gebannten Ortschaften auf andere Mühlen in der Umgebung aufzuteilen. Diese sind jedoch nur schwer zu erreichen oder können keine zusätzlichen Kunden mehr annehmen.

1818

Das provisorische Dach stürzt ein. Es zerstört Wellbaum und Wasserrad. Es erfolgt die öffentliche Versteigerung der Mühle. Christian Hassel ersteigert die Übertragung der Erbpacht. - Hassel erklärt sich mit folgenden Pachtbedingungen einverstanden:

  • die Pachtgebühr wird nicht reduziert
  • sollte der Mühlenbann aufgehoben werden, muss er weniger Abgaben leisten
  • er muss die Mühle mit eigenen Mitteln neu errichten
  • die Mahlgäste sind für die Instandhaltung der Mühle verantwortlich

Christian Hassel beginnt wenig später mit dem Neubau der Mühle.

1845

Die Regierung hebt den Mühlenbann auf. Christian Hassel versucht eine Entschädigung zu erwirken, scheitert aber mit seiner Forderung. Die Folge sind finanzielle Schwierigkeiten des Müllers.


1857

Nach einem ausführlichen Briefwechsel erwirbt Christian Hassel die Mühle und ist fortan uneingeschränkter Eigentümer an der Mühle. Baupflicht und Gebäudeunterhaltung fallen somit in Hassels Zuständigkeitsbereich und sind erstmals eindeutig geregelt.

1864 - 1999

Friedrich Wilhelm Hassel, Sohn von Christian Hassel begleicht letzte finanzielle Verpflichtungen.Von nun an führen die Nachfahren Hassels die Mühle in geregelter Erbfolge weiter.
Nach Friedrich Wilhelm Hassel übernimmt dessen Schwiegersohn, Ferdinand Dietermann die Mühle. Dieser überträgt das Objekt seiner Tochter Auguste und ihrem Mann Karl Zöller, welche die Eltern von Wilhelm Zöller sind. Wilhelm Zöller und seine Frau Marie sind die letzten aktiven Betreiber der Dickendorfer Mühle. Erst in den 1990er Jahren geben sie das Mahlgeschäft auf.

2000

Hermann Zöller, jüngster Sohn von Wilhelm und Marie Zöller übernimmt gemeinsam mit seiner Ehefrau Sigrid die Dickendorfer Mühle. Seitdem kann man in der Mühle nicht nur die alten Geräte besichtigen, sondern an Sonn- und Feiertagen auch das Flair vergangener Zeiten bei Kaffee und Kuchen im Mühlen-Café auf sich wirken lassen.

2005

Mit der Mühle übernahmen Hermann und Sigrid Zöller auch das Wasserrecht, welches ihnen die Nutzung des Elbbachs gestattet. Bereits seit 1960 produziert eine Turbine Strom für das Mühlengebäude. Diese soll nun restauriert und die Stromerzeugung neu gestaltet werden.


2006

Am Mühlentag (Pfingstmontag) erfolgt die Inbetriebnahme der Turbine. Übersteigt der erzeugte Strom den Bedarf der Mühle, wird der Überschuss in das öffentliche Netz eingespeist.